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Mobbing, Bossing, Gaslighting und Ghosting am Arbeitsplatz: ein Mobbingbetroffener berichtet

Klient Thomas Ahlert, 45 Jahre, Industriemechaniker (Falldarstellung mit Erlaubnis des Betroffenen. Name aus Anonymitätsgründen verändert.)


„Ich arbeite seit mehr als 12 Jahren bei einem mittelständigen Unternehmen in der Metallbearbeitung. Ich hatte schon oft das Gefühl, dass mein Chef nicht möchte, dass ich in meinem Job weiterkomme. Des Öfteren wurden mir Fehler zugesprochen für Aufträge, die ich nie bearbeitet habe, aber im ERP-System war der Auftrag unter meiner Personalnummer eingetragen worden. Seit einigen Jahren ist das Mobbing noch konkreter geworden. Vor ein paar Jahren sollte ich an einem neuen Arbeitsplatz arbeiten, es ging um Schleifarbeiten.


Ich habe aber Asthma und dafür auch ein Attest eingereicht. Ich konnte diese Schleifarbeiten also gar nicht leisten. Daraufhin hat mein Chef mich zum Betriebsarzt geschickt. Im Gespräch hat er mir vorgeworfen, dass ich bestimmt keine Lust auf meine Arbeit habe und wolle mir nur eine bessere Stelle erschleichen. Ich bin ruhig geblieben und habe ein klärendes Gespräch mit dem Betriebsrat und meinem Chef erwirkt. Der Betriebsrat stand auf meiner Seite. Mein Chef wurde nervös und ich durfte an meinem alten Arbeitsplatz bleiben. Aber die Konsequenzen kamen kurzer Zeit später.





Also, kurz darauf ist das Mobbing von den Arbeitskollegen in der Werkstatt losgegangen. Zunächst mit Beleidigungen, sie nannten mich Depp, Vollpfosten und so weiter. Dann so Psychokram: Sie beschuldigten mich, ihre Maschinen verstellt zu haben, wenn sie etwas kaputt machten. Sie lästern, sie haben mir Öl in meinem Spinnt geschüttet, sie versteckten meinem den Stuhl. An unserem Kalender an der Wand hängen sechs kleine Fotos von unseren Köpfen. Mein Gesicht ist immer überklebt. Und noch schlimmer, sie haben auf dem Firmenparkplatz hinter den Autoreifen Glassplitter platziert.


Was mich noch mehr nervt sind nicht nur die Sticheleien der Kollegen. Sondern das Verhalten meines Chefs. Vor kurzer Zeit hat er eingeführt, dass ich mich bei ihm abmelden muss, wenn ich während der Arbeitszeit irgendwo hingehe, sogar zur Toilette. Als Begründung nannte er Brandschutz, aber die anderen Mitarbeiter müssen das nicht tun. Das ist Schikane. Er will nur verhindern, dass ich wieder zum Betriebsrat gehe.


Ich habe des Öfteren nach einer Weiterbildung gefragt. Andere Kollegen, die mit Ihm die Mittagspause verbringen haben mehrere Weiterbildungen genehmigt bekommen. Ich entgegen nicht mal eine einzige. Er sagt mir jedes Mal, dass die Geschäftsführung kein Budget dafür hat und dass ich in ein paar Monaten wieder fragen sollte.


Ich habe mittlerweile schon starke Schlafstörungen und kann oft die Mobbingsituationen in der Firma nicht mehr aus meinem Kopf kriegen. Das weiß aber absolut niemand außer meine Familie. Dieses jahrelange Mobbing hat auch mein Familienleben verändert. Ich war ein fröhlicher, ausgeglichener Ehemann und Familienvater aber mit der Zeit habe ich es verloren und meine Familie leidet sehr darunter. Die Mobbingsituation stresst mich so sehr, ich ertrage es kaum noch.

Als ich im Frühjahr 2019 nach einer Krankheitspause wiedergekommen bin, hat der Chef mich in einen separaten Raum gebeten. Er wollte unbedingt wissen, warum ich krank war. Er ist wütend und laut geworden und alle möglichen Allergien durchgegangen, hat darauf beharrt, zu wissen, was ich für eine Krankheit habe. Aber ich bin still geblieben und habe es ihm nicht gesagt.


Ich halte die Füße immer noch still, obwohl ich es kaum noch ertrage. Ich komme nicht dagegen an, ich kann mich nicht richtig wehren. Und der Betriebsrat ist mittlerweile auch untätig geworden. Die Mobbinghandlungen haben seit ein paar Wochen heftig zugenommen. Während ich in der Mittagspause bin, bringen meine Kollegen meine Werkzeuge, die ich auf die Werkbank habe, durcheinander oder entfernen eine erhebliche Menge davon. Und das fast jeden Tag. Wenn ich frage, warum Sie das tun, dann bekommen ich gesagt, dass Sie es nicht waren, sondern, dass ich es selbst war und ich jetzt so tue damit ich mich interessant bei den Kollegen und beim Chef mache. Ich wäre nur auf Aufmerksamkeit aus. Ich kann es nicht fassen, ich verstehe das alles nicht, ich verstehe nicht warum sie das tun. Ich habe meinen Chef um ein Gespräch gebeten. Mittlerweile muss ich Tage im Voraus ein Termin mit ihm vereinbaren. Ich habe ihm geschildert was die Kollegen tun und was Sie behaupten. Mein Chef hat mir gesagt, dass ich bestimmt vergessen hatte, dass ich das doch war. Und ich soll zu ihm mit so etwas nicht mehr kommen sonst muss er ein Mahnverfahren gegen mich einleiten, weil ich mit meinen Beschwerden meine Kollegen mobbe. Seit ein paar Tagen passieren noch andere eigenartige Dinge, die ich absolut nicht verstehe. Ein paar andere Kollegen, mit dem ich bei WhatsApp kommuniziere, haben mich ohne Grund, von jetzt auf gleich gesperrt. In der Firma habe ich einen der Kollegen gefragt, warum er mich gesperrt hat. Er hat mich nur angeguckt und mit wortlos den Rücken gedreht und ist weg gegangen. Ich habe versucht mit jemandem vom Betriebsrat zu sprechen und derjenige sagte zu mir, dass der Betriebsrat nichts für mich tun kann.


Ich fühle keine Stärke mehr in mir also muss ich schweigen. Ich fühle mich eigenartig und ich hinterfrage meine Beobachtungen immer wieder. Ich habe ein sehr ungutes Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmt. Aber ich muss schweigen den ich brauche meinen Job. Ich mag meine Firma, die Arbeitsbedingungen wären eigentlich sehr gut. Mein Chef sagt mir seit ein paar Tagen beim vorbei gehen und leise, dass ich von selbst kündigen sollte, weil es mir nicht gut ginge und ich damit Unruhe in die Mannschaft bringen würde. Ich habe mich schon drei oder viermal innerhalb der Firma auf andere Stellen beworben und nur Absagen bekommen. Ich habe mich auch auf andere Stellen außerhalb der Firma beworben und auch nur negative Antworten erhalten. Ich habe Angst Arbeitslos zu werden.“


 

Meine Beurteilung und anschließende Empfehlung

Um es vorweg zu sagen: Die meisten Chefs mobben nicht. Wenn Chefs aber mobben, dann häufig einen Untergebenen, von dem sie sich insgeheim ein Stück weit fürchten. Vor denen sie Angst haben, dass sie in einem bestimmten Bereich kompetenter sind. Diese Chefs haben Angst, dass Sie ihren Job an diesen Mitarbeiter verlieren.


Die Chefs, die selbst kompetente Führungspersonen sind, die sehen, dass ihre Mitarbeiter fleißig und kompetent sind, die stolz auf ihre Mitarbeiter sind, die kennen solche Ängste nicht.

Ich nehme in diesem Fall auch an, dass der Chef die Kollegen gebrieft hat. Und die wollen mit dem Chef keinen Ärger und werten den Kollegen deswegen ab.


Herr Ahlert hat schon einmal erreicht, dass der Betriebsrat sich für ihn eingesetzt hat. Und diesen Weg müsste er weiterverfolgen: sich im Betriebsrat noch jemanden suchen mit dem er persönlich eine Art Bündnis eingeht und der ihn längerfristig begleitet. Und er sollte mit Hilfe des Betriebsrates alles versuchen, eine vernünftige Versetzung zu erwirken. Es sollte nichts unversucht bleiben sich zu wehren.


Was viele MOBBING-Betroffene ansprechen: dass sich alle mal zusammensetzen könnten und darüber reden. Das funktioniert aber nicht und kann dazu führen, dass das Gespräch zum Tribunal gegen die Gemobbten wird. Wenn man von Kollegen gemobbt wird, werden sie in dieser Situation dazu gezwungen, zuzugeben, dass sie sich mit Dreck bekleckert haben.


Und selbst, wenn einzelne insgeheim bereit wären, sich mit dem Betroffenen zu unterhalten, werden sie das in der Gruppe sicher nicht tun. Dafür sind zu viele Geheimnisse im Spiel.


Es sieht so aus, dass jeder sich selbst der nächste ist und dass jeder von den Kollegen aus Angst vor Mobbing mitmacht. Auch die Gruppendynamik spielt eine große Rolle.

Herr Ahlers bleibt jederzeit ruhig, er frisst das alles in sich rein, er wird krank und bleibt weg. Er kommt wieder und das Mobbing geht verstärkt weiter. Herr Ahlert versucht Ruhe zu bewahren und durch Gespräch mit seinem Chef selbst das Mobbing zu lösen.

Ich erkenne in dem Fall von Herr Ahlert mehrere Arten von Mobbing. Das Mobbing verstärkt sich durch Bossing: nicht nur, dass der Chef seine Fürsorgepflicht verletzt, sondern legt selbst noch eine Schippe darauf und wendet Gaslighting an, genauso wie die Mobberkollegen.


Hier scheint ein Mobbingstrategie-Briefing zwischen Chef und Kollegen stattgefunden zu haben.


Und als wäre immer noch nicht genug wird Herr Ahlert auch ohne einen erkennbaren Grund bei WhatsApp gesperrt also wird Herr Ahlert auch mit GHOSTING konfrontiert. Herr Ahlert fühlt, dass irgendetwas nicht in Ordnung sei, er fängt ab diesen Zeitpunkt damit an keine Stärke mehr zu fühlen. Die Gefahr besteht, dass Herr Ahlert an seiner Selbstwahrnehmung zweifelt. Damit hätten die Mobber ihr Ziel erreicht. Herr Ahlerts seelische Gesundheit ist in großer Gefahr.


Herr Ahlert hat Stärke bewiesen, indem er immer ruhig geblieben ist und nicht nach Außen gezeigt hat was das Mobbing mit ihm macht. Er hat auch versucht sich zu wehren.


Sich als Betroffener zu wehren ist unabdingbar für eine gute Gesundheit und Leistungsfähigkeit.


Das hat die Mobber noch mehr angestachelt einen Gang höher zu schalten. Herr Ahlert ist mit dem Mobbing allein und erfährt keine Unterstützung von Kollegen. Die soziale Abgrenzung hat schon stattgefunden.


Das Mobbing lief genau nach Definition und durchläuft systematisch alle Stufen bis hin zu Anwendung anderer Mobbingarten wie GASLIGHTING und Ghosting: perfide, destruktive Handlungen treten wiederholt und längerfristig auf. Sie beziehen sich aufeinander und verfolgen ein klares Ziel: Vernichtung des Gegners

Scheinbar herrscht in dem Unternehmen ein repressives Verhalten der Kollegen und Führungskräfte.


 

Meine Empfehlungen

  1. Schnellstmöglich sich aus dieser toxischen Umgebung entfernen.

  2. Ausgleich schaffen durch Hobbys und andere Aktivitäten, die helfen davon geistigen Abstand zu gewinnen

  3. Ein Tagebuch schreiben und alles festhalten (Dieses Protokoll / Tagebuch ist vor allem für spätere Maßnahmen sehr wichtig): • Wer Herr Ahlert gemobbt hat • Wann sich der Vorfall ereignet hat • Welche Kollegen als Zeugen anwesend waren • Was Herr Ahlert eventuell unternommen hat (z. B. Meldung an den Arbeitgeber) • Ergebnis der Rücksprache mit dem Arbeitgeber • Ergebnis der Rücksprache mit dem Betriebsrat

  4. Besuch beim Hausarzt

  5. Psychologische Beratung oder Psychotherapie in Anspruch nehmen

  6. Anruf bei der Krankenkasse

  7. Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe

  8. Beantragen einer medizinischen Reha

  9. Beratung beim Anwalt: „Erleiden Gemobbte gesundheitlichen oder finanziellen Schaden, verändert sich die strafrechtliche Lage. Ein finanzieller Ausgleich – beispielsweise Schmerzensgeld – steht dem Opfer zu. Hier greifen die Persönlichkeitsrechte des Bürgerlichen Gesetzesbuches (BGB). Wenn Mobbing auf ethnischer Herkunft, Geschlecht oder Religion basiert, tritt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in den Vordergrund.“

  10. Nutzung eines Mediators / Coachs zum Wiederaufbau des Selbstbewusstseins und der vollen Handlungsfähigkeit.

 

Fazit: Der Mobber hat meist niedere Beweggründe. Neid, übertriebenes Konkurrenzdenken oder fehlendes Selbstbewusstsein. Sie tun alles daran um dem Chef zu „gefallen“. Um weiter in Job zu kommen oder die Aufmerksamkeit von sich zu lenken, lassen Sie sich bewusst instrumentalisieren.


Schlussendlich beschäftigt Sie die Frage:

„Gebe ich meine eigenen Defizite zu oder richte ich die Aufmerksamkeit lieber auf jemand anderen?“


Nicht selten, aufgrund ihrer fehlenden Führungskompetenz nutzen Vorgesetzte ihre Machtposition aus und steigen auf der Karriereleiter höher. Sie können sich gut verkaufen aber Ihre Leistungen sind schwach. Konflikten gehen sie aus dem Weg, weil eigene Ziele über allem stehen. Oder es fehlt an kommunikativen Fertigkeiten.

Rache ist ein weiteres Motiv, wenn sich der Täter von einem Kollegen beleidigt fühlt. Die beliebte Gruppendynamik verleitet ebenfalls, gegen einen Kollegen Stimmung zu machen.


 

Sie sind Mobbingopfer?

Ich möchte Sie dabei unterstützen, Ihren Weg zu sich selbst wiederzufinden und auf diesem Weg zu bleiben. Melden Sie sich gerne!

+49 (0)421-59768654

+49 (0)178-7891665

kontakt@elenaspin-coaching.de

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